Kreis Segeberg. Bei "Jugend im Kreistag" (JiKT) im vergangenen November hat sich eine Gruppe mit dem Thema "Realität statt Rausch" beschäftigt. In der Diskussion wurde deutlich, dass sich viele Jugendliche mehr digitale Aufklärung und schnelle Hilfe bei Suchtproblemen wünschen. Besonders wichtig ist dabei eine niedrigschwellige Unterstützung über das Smartphone. Der Jugend-Kreistag beschloss deshalb, dass die Kreisverwaltung prüfen soll, ob es Apps gibt, die Jugendlichen in schwierigen Situationen helfen können. Gewünscht waren Anwendungen mit Tipps zum Umgang mit Suchtdruck sowie einer Notfallfunktion, über die schnell Kontakt zu Jugend- und Suchtberatungsstellen aufgenommen werden kann.
Der Fachdienst Sozialpsychiatrie und Gesundheitsförderung des Kreises hat nun passende Angebote ermittelt. Zwei Apps erfüllen die gewünschten Funktionen und werden auch vom zuständigen Kreisausschuss für Ordnung, Verkehr und Gesundheit (OVG) und dem Kreistag befürwortet.
"SO!" – Unterstützung auf dem Weg aus der Sucht
Die App "SO!" hilft dabei, Kontakt zu Beratungsstellen aufzubauen und begleitet Nutzer*innen im Alltag, wenn sie ihr Suchtverhalten verändern möchten. Über eine Chatfunktion kann direkt eine Beratungsstelle kontaktiert werden.
Außerdem bietet die App unter anderem einen Abstinenz-Rechner, Checklisten, ein Stimmungstagebuch und einen sogenannten Notfallkoffer mit Strategien für schwierige Situationen. Auch Angehörige können sich dort informieren.
Die App ist kostenlos und anonym nutzbar. Sie ist Teil eines landesweiten Angebots der Landesstelle für Suchthilfe Schleswig-Holstein und mit der Website Suchtberatung digital SH verknüpft. Dort erhalten Menschen in Schleswig-Holstein kostenlose und anonyme Beratung – online oder vor Ort – zu Themen wie Alkohol, Cannabis, illegale Drogen, Medikamente, Nikotin, Glücksspiel, Mediennutzung, Essstörungen oder Kaufsucht.
"blu:app" – Informationen und Hilfe speziell für Jugendliche
Eine weitere empfohlene Anwendung ist die "blu:app". Sie richtet sich gezielt an junge Menschen und bietet verständliche Informationen zum Thema Sucht. Zusätzlich gibt es eine Chatfunktion, einen Beratungsstellen-Finder sowie einen direkten Zugang zu einem Krisenchat, der rund um die Uhr erreichbar ist.
Die App wurde von blu:prevent, einer Suchtpräventionsinitiative des Blauen Kreuzes Deutschland, entwickelt. Ziel des Vereins ist es, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, Herausforderungen zu bewältigen, selbstbestimmt zu leben und gesund aufzuwachsen.
Kreis Segeberg will Angebote bekannter machen
Der Kreis Segeberg will beide Apps künftig stärker bekanntmachen, damit möglichst viele Jugendliche von diesen digitalen Hilfsangeboten erfahren und sie bei Bedarf nutzen können.
Darüber hinaus empfiehlt der Kreis die App „Krisenkompass“ von der Telefonseelsorge. In dieser App gibt es Hilfe zur Selbsthilfe rund um das Thema Suizid sowie wertvolles Wissen und Unterstützung in akuten Krisensituationen. Die App richtet sich an Menschen in Lebenskrisen sowie an Angehörige und an Hinterbliebene nach Suizidfällen.
Außerdem gibt es die Selbsthilfe-App KIS von der Kontakt-und Informationsstelle Segeberg. Sie enthält Informationen und Angebote rund um das Thema Selbsthilfe im Kreis Segeberg.
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Kreis Segeberg. Wenn fast 100 Jugendliche Schlange stehen, um Politik hautnah erleben zu können, und letztlich das Los entscheiden muss, ist klar: "Jugend im Kreistag" (JiKT) begeisterte in diesem Jahr Neunt- und Zehntklässler wie nie
zuvor. Drei Tage lang verwandelten 75 Jugendliche aus dem gesamten Kreisgebiet die Jugend-Akademie in Bad Segeberg in eine politische Ideen-Schmiede – neuer Teilnahmerekord inklusive.
Nach einem gemeinsamen Auftakt mit Informationen zur Kreispolitik verteilten sich die Jugendlichen auf sechs Arbeitsgruppen (AG), die während der Projektzeit wie eigene Fraktionen arbeiteten. Die Themen reichten von Mobilität, Klima und Nachhaltigkeit über Demokratie, Digitalisierung und Freizeit bis hin zu Suchtprävention.
Unterstützt von Moderationsteams aus Verwaltung und Kreispolitik entstanden bereits am ersten Abend erste Antragsskizzen – präsentiert in einem öffentlichen Aushang. Beim anschließenden "Pizza-Talk" nutzten die Teilnehmer*innen die Gelegenheit, mit Landrat Jan Peter Schröder sowie Mitarbeiter*innen und Auszubildenden der Kreisverwaltung ins Gespräch zu kommen.
Der zweite Tag startete mit dem Format "Interfraktioneller Briefkasten". Erstmals stellten Jugendliche dabei ihre Anträge vor dem gesamten Plenum vor – für viele eine neue und mutige Erfahrung. Danach wurde weiter
intensiv gefeilt, diskutiert und abgestimmt; sogar ein gemeinsamer AG-übergreifender Antrag entstand. Am Nachmittag konnten die Schüler*innen in Workshops zu freiem Reden, Körpersprache, Flipchart-Gestaltung und politischer Hintergrundarbeit neue Fähigkeiten erwerben.
Am Abend folgte die Wahl der neuen Jugendkreispräsident*innenschaft. Zehn Bewerbungen lagen vor, alle begleitet von Bewerbungsvideos des Medienteams. Gewählt wurden schließlich Maila Hertel aus Rohlstorf (Städtisches Gymnasium Bad Segeberg) als Jugendkreispräsidentin sowie Vincent Köhler aus Norderstedt (Lessing-Gymnasium) als ihr Stellvertreter.
Am dritten und letzten Tag führten beide erstmals gemeinsam mit Kreispräsident Jörg Buthmann durch die Jugendkreistagssitzung – souverän und ambitioniert. Insgesamt 17 Anträge wurden beraten, darunter Vorschläge zur Sicherstellung der Barzahlung an HVV-Automaten, die Idee einer interkulturellen Jugend-Kulturmesse "Culture Connect" sowie ein Diversity Day gegen Diskriminierung. 15 Anträge fanden eine Mehrheit und gehen nun in die politischen Ausschussberatungen des ersten Halbjahres 2026.
Das traditionsreiche Projekt, 1998 vom damaligen Kreispräsidenten Winfried Zylka ins Leben gerufen und im Laufe der Zeit weiterentwickelt, wird auch im kommenden Jahr fortgeführt. Nach einer ausführlichen Evaluation des rund 30-köpfigen Organisationsteams startet bereits im Frühjahr die Planung für die nächste Ausgabe, die vom 16. bis 18. November 2026 stattfinden soll.