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Kunst- und Kulturpreis 2021

Die Sieger des Kunst- und Kulturpreises 2021 auf dem Gebiet „Musik“ stehen fest. Der Kunst-und Kulturpreis Erwachsene 2021 (Alter mindestens 18 Jahre) im Bereich Musik geht an Andreas Maurer-Büntjen (Orgel) und John-Robin Bold (Gitarre). Im Nachwuchsbereich gewinnt Anton Maiwald (Gitarre) den 1. Preis vor Jannis Demmig (Schlagwerk).


Kunst-und Kulturpreis (geteilter 1. Preis Erwachsene)

Laudatio für Andreas Maurer-Büntjen (Orgel)

Der Bad Segeberger Kantor der Marienkirche, Jahrgang 1969, spielt seit seiner Kindheit auf der Orgel. Schon im Kindergartenalter erhielt er Klavier- und Cellounterricht. In dieser frühen Zeit wurde bei ihm auch das absolute Gehör festgestellt. Der Wunsch, später als Kirchenmusiker arbeiten zu dürfen, bildete sich bei Andreas Maurer-Büntjen bereits im Alter von 14 Jahren aus. Über sich selbst sagt er: "Musik ist mein Leben; ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht."

In seiner Jugend nahm der Bad Segeberger erfolgreich an zahlreichen Orgelwettbewerben teil. Mit 14 Jahren legte er die kirchenmusikalische D-Prüfung ab, zwei Jahre später die C-Prüfung. Nach dem Abitur an einem musischen Gymnasium in Mannheim absolvierte Andreas Maurer-Büntjen seinen Zivildienst und wirkte weiterhin rege an Musikwettbewerben mit. Es folgte ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Freiburg. Sein Aufbaustudium schloss er "mit Auszeichnung" im Fach "Konzertexamen auf der Orgel" ab.

Seit 2004 ist Andreas Maurer-Büntjen an der Marienkirche und darüber hinaus im Kreisgebiet tätig, unter anderem im Segeberger Bachchor, im Segeberger Kammerchor, im Segeberger Sinfonieorchester und im Segeberger Flötenensemble. Als Kreiskantor ist er für rund 40 Mitarbeiter*innen im Kirchenkreis für den Fachbereich "Kirchenmusik" zuständig. Er bildet nebenberufliche Kirchenmusiker*innen aus und hat seit einigen Jahren junge Menschen an seiner beruflichen Seite, die im Rahmen des "Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) Kultur" Erfahrungen im Bereich Kirchenmusik vor Ort machen können. Nicht selten beginnen die FSJler*innen im Anschluss ein Studium an einer Musikhochschule.

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist ein hochkarätiger und vielseitig gebildeter Musiker, der bereits sehr viele Konzerte gespielt und große Oratorien mit seinen Chören aufgeführt hat. Die vielen Konzertprogramme und Rezensionen der vergangenen Jahre belegen, dass es sich bei ihm um einen Künstler besonderen Ranges handelt. Andreas Maurer-Büntjen organisiert die sehr beliebte Konzertreihe "Musik zur Marktzeit", sorgt für ein stets ansprechendes Jahresprogramm in der Marienkirche und wirkt als Multiplikator im Bereich Musik für die Kirche sowie die Menschen in und um Bad Segeberg. Er gibt jährlich circa zehn Konzerte mit ehrenamtlichen Gruppen und Gast-Ensembles. Für seine außerordentlichen Verdienste hat ihm die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland im Dezember 2020 den Titel "Kirchenmusikdirektor" verliehen.

Die Jury hatte Andreas Maurer-Büntjens eigene Bearbeitung des "Boléro" von Maurice Ravel, übertragen und gespielt auf der Orgel in der Peter-Paul-Kirche Bad Oldesloe, zur Entscheidung vorliegen und war von der Umsetzung mehr als überzeugt – nicht zuletzt wegen einer spürbaren Lebendigkeit, die der Organist dem Publikum mit seiner Musik vermittelt.

Kunst-und Kulturpreis (geteilter 1. Preis Erwachsene)

Laudatio für John-Robin Bold (Gitarre)

Der in Henstedt-Ulzburg aufgewachsenen Konzertgitarrist und Komponist John-Robin Bold, Jahrgang 1995, verfügt über ein ausgeprägtes musikalisches Gedächtnis und eine große musikalische Begabung für das Gitarrenspiel. Bereits mit acht Jahren zeigte er seine außergewöhnliche Musikalität, als er Beatles-Songs auswendig spielte und ohne Englischkenntnisse phonetisch perfekt mitsang. Mittlerweile lebt er als freiberuflicher Komponist und Gitarrist in Berlin, spielt europaweit Konzerte und bringt auf verschiedenen Labels Musik heraus.

Nach dem Start seiner musikalischen Ausbildung an der Musikschule Norderstedt setzte John-Robin Bold diese mit nur 14 Jahren mit einem Früh- und Jungstudium für musikalisch Hochbegabte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover fort. Von 2015 bis 2021 erhielt er verschiedene Stipendien, unter anderem ein Auslands- und ein Graduiertenstipendium.

Schon in seiner Jugend spielte er rund 100 Konzerte im Kreis Segeberg. Als klassischer Gitarrist verfügte er dabei nicht nur über eine herausragende Reife bei den Interpretationen der Stücke, sondern auch über eine besondere Programmauswahl. So brachte John-Robin Bold seinem Publikum neben einem klassischen Repertoire auch zunehmend Werke der Alten und zeitgenössischen Musik nahe, was vor allem in ländlich geprägten Regionen nach wie vor eine Pionierarbeit darstellt. Durch seine zugänglichen Anmoderationen und sein passioniertes Spiel gelang es ihm immer wieder, das Publikum über dessen Hörgewohnheiten hinauszutragen. Dafür wurde er 2011 und 2012 unter anderem mit dem Jugendkulturpreis der Gertraud-und-Heinz-Manke-Stiftung in Henstedt-Ulzburg und anschließend mit dem Charlotte-Paschen-Musikpreis der Stadt Norderstedt ausgezeichnet.

Bis zu seinem 16. Lebensjahr war John-Robin Bold hauptsächlich als Solo-Gitarrist aktiv, trat dann aber auch mit Orchesterformationen wie dem Norderstedter Sinfonieorchester und dem Henstedt-Ulzburger Kammerorchester auf. In dieser Zeit entwickelte er seine Begeisterung für die klanglichen Möglichkeiten zeitgenössischer Musik weiter, sodass er nach fünf Jahren Gitarrenstudium in Hannover 2016 ein Studium der elektrischen Komposition an der Kunstuniversität Graz begann und 2020 erfolgreich abschloss.

Die Jury hatte die Eigenkomposition "First" für E-Gitarre und Live-Elektronik zur Entscheidung vorliegen. Darin verbindet der Künstler innovative elektronische Mittel mit klassischer Spieltechnik sowie stilistische Elemente aus der Renaissancemusik mit Popmusik und stellt so eine ungewöhnliche und sinnliche Verbindung von alten und neuen Formen her. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury John-Robin Bolds musikalische Begabung, seine Verbundenheit zum Kreis und seine Vorbildfunktion für junge Musiker*innen.

Kunst-und Kulturpreis (1. Preis Jugend)

Laudatio für Anton Maiwald (klassische Gitarre)

Bereits zu Schulzeiten motivierte der heute 22-jährige Anton Maiwald mit seinem Gitarrenspiel Mitschüler*innen und jüngere Kinder dazu, ein Musikinstrument zu erlernen. Der Kaltenkirchener, der nach dem Abitur im vergangenen Jahr ein Studium zum Elementaren Musikpädagogen an der Berufsfachschule MenschMusik in Hamburg aufgenommen hat, begann im Alter von sieben Jahren mit dem Gitarrenspiel an der Kreismusikschule Segeberg. Dort hatte er auch seine ersten Auftritte und nahm an ersten Wettbewerben teil, für die er schon als kleiner Junge hochmotiviert übte.

Aus einer zunächst "kindlich-nüchternen" Art zu spielen, entwickelte sich mehr und mehr ein musikalischer Ausdruck mit Tiefe, mit dem es Anton Maiwald gelang, Jung und Alt zu beeindrucken und Musik erlebbar zu machen. Neben der Schule bereitete er sich intensiv auf sein Musikstudium vor: Er nahm an Kammermusikwochen, an Theorie-Wochenenden und an verschiedenen Meisterkursen teil. Von 2015 bis 2020 war er Stipendiat der Studienvorbereitenden Ausbildung des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein.

In den Jahren 2012 bis 2018 war Anton Maiwald dreimal Preisträger beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert"; 2015 erhielt er im Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" den 3. Preis in der Kategorie "Gitarre solo", 2018 den 2. Preis. Darüber hinaus war er bei weiteren nationalen Wettbewerben erfolgreich. Er stand bereits diverse Male als Solo-Künstler auf der Bühne. 2018 spielte er zwei Konzerte mit dem israelischen Mandolinisten Avi Avital und Mandolinen-Quartett beim Musikfestival Schleswig-Holstein, ein Jahr später war er Mitglied im Schleswig-Holstein Festival Orchestra. Inzwischen tritt er auch mit einem neu gegründeten Trio mit Klarinette und Cello auf.

Der Jury lag Anton Maiwalds Interpretation des Stückes "Home" von Andrew York zur Entscheidung vor, über die er selbst sagt, dass sie eine Stütze für ihn sei in der aktuellen Situation des Lösens aus dem Elternhaus, auf der Suche nach Eigenständigkeit und nach einem eigenen Zuhause. In dieser Zeit des "Zwischenraumes" könne die Musik mit ihren Intervallen (lateinisch Intervallum = Zwischenraum) eine Hilfe, ein "inneres Zuhause" für jeden Menschen sein. Ganz unabhängig vom Genre. Mit seiner Interpretation stellt der junge Gitarrist seine Stütze vor. Er verbinde mit dem Stück "einen Ort der Geborgenheit, Sicherheit, Sehnsucht und Wärme".

Anton Maiwald ist ein gelungenes Beispiel dafür, welchen Weg junge Künstler*innen im Anschluss an eine fundierte Ausbildung durch die Musikschulen im Kreisgebiet nehmen können. Die Intensität, die Begeisterung und die enorme Zeit, die er in seine Musik und seine Gitarre investierte und noch immer investiert, haben die Jury überzeugt, dieses Engagement zu würdigen.

Kunst-und Kulturpreis (2. Preis Jugend)

Laudatio für Jannis Demmig (Schlagwerk)

Im Alter von nur sechs Jahren hat der heute 17-jährige Jannis Demmig seine Leidenschaft fürs Schlagwerk, auch Percussion genannt, entdeckt. Seit dem Jahr 2013 ist der Quickborner im Musikverein Norderstedt (MVN) aktiv. Bereits mit elf Jahren trat er in das Junge Blasorchester Norderstedt (JuBlaNo) ein und konnte aufgrund seiner hervorragenden musikalischen Leistungen bereits zwei Jahre später beim Symphonischen Blasorchester Norderstedt (Höchststufenorchester) mitspielen. Seit 2017 ist er Aushilfe beim Norderstedter Sinfonieorchester.

In den Jahren 2015 bis 2019 belegte Jannis Demmig viermal den 1. Platz beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" sowie zwei 2. Plätze beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" – sowohl als Solist als auch im Schlagzeugensemble. Zu seinen Auszeichnungen gehören darüber hinaus zahlreiche Sonderpreise, beispielsweise der Förderpreis der Stadt Quickborn, der NDR-Sonderpreis im Rahmen von "Jugend musiziert" sowie eine Auszeichnung des Pinneberger Kreispräsidenten.

Im Musikverein Norderstedt unterstützt Jannis Demmig die Jugendwartin und kümmert sich insbesondere um die Nachwuchsarbeit des Kinder- und Jugendorchesters Brass, Wind & Fun (BWF). Dadurch haben auch sehr junge Musikinteressierte des Kreises Segeberg die Möglichkeit, auf spielerische Weise in größere Orchester hinein zu schnuppern und mit Hilfe des Preisträgers erste Spiel- und Auftrittserfahrungen im Schlagwerkregister zu sammeln.

Der Jury lag das Stück "Caleidoscópio" des amerikanischen Komponisten Gene Koshinski vor. Darin konzentriert er sich auf die gleichzeitige Darbietung verschiedener unabhängiger musikalischer Muster (Patterns/Ostinati) und gegensätzlichen Melodien. Auf diese Weise wird in "Caleidoscópio" die Verschiebung der kleinen, farbigen Splitter aus dem Kaleidoskop dargestellt, die ihre Ausrichtung bei jeder kleinsten Bewegung ändern, sodass sich auch das Gesamtbild stetig verschiebt. Jannis Demmig gelingt es am Marimbaphon eindringlich, den Zuhörer*innen diese Verschiebung musikalisch buchstäblich ins Ohr zu bringen.

Die Jury würdigt Jannis Demmigs Begeisterung für das Schlagwerk, das eine ganze Gruppe an Schlaginstrumenten in einem Sinfonieorchester umfasst – verbunden mit der Hoffnung, dass er sein Engagement für den musikalischen Nachwuchs im Norderstedter Musikverein weiterhin so vorbildlich fortsetzt und die künstlerische Vielfalt im Kreis Segeberg durch seine Auftritte weiterhin bereichert. 

Über den Kunst- und Kulturpreis

Der Kunst- und Kulturpreis wird – von einer Pause abgesehen – seit 1981 ausgeschrieben. Seit 2015 wird er im Abstand von drei Jahren jeweils in einer anderen Kategorie vergeben. Ob die Preisverleihungen künftig häufiger erfolgen werden, wird voraussichtlich noch Ende 2021 beraten.

Es gibt jeweils eine Preisvergabe für Erwachsene und Jugendliche (bis maximal 25 Jahre), deren künstlerisches Engagement damit besonders gefördert werden soll. Die Jury kann – wie in diesem Jahr – über Preisteilungen entscheiden. Der Kreis möchte mit den Auszeichnungen verdeutlichen, wie wertvoll Kreativität und schöpferische Tatkraft für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft sind. Je Altersgruppe stehen 3.000 Euro Preisgeld zur Verfügung

Der KuKP wird nach einer Richtlinie in einem der folgenden Bereiche vergeben: bildende Kunst, Musik, Literatur oder darstellenden Kunst. "Diese Aufzählung ist nicht abgeschlossen", heißt es in der Richtlinie, sodass dem Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport (BKS) Möglichkeiten gegeben sind, auch Kunstformen zu berücksichtigen, die sich nicht klar zuordnen lassen.

Alle Einwohner*innen des Kreises Segeberg ab 18 Jahren sind vorschlagsberechtigt. Die Preisträger*innen sollen durch Geburt, Leben oder Wirken mit dem Kreis Segeberg verbunden sein.

Die Jury besteht aus drei unabhängigen Sachverständigen der jeweiligen Kunstgattung (Fachrichter*innen) sowie acht Sachrichter*innen, die von jeder Fraktion im Kreistag benannt werden.