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Das Herrenhaus Borstel mit Parkanlage und Allee

 


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Das Herrenhaus Borstel
 
liegt in der Gemeinde Sülfeld und gilt als das bedeutendste und geschichtsträchtigste Herrenhaus der Rokokozeit im Lande. Noch in barockem Kleid zeigt sich die Backsteinfront mit fünfzehn Achsen. Feingliedrige Dekorationen der Hof- und Gartenseite und die historische Ausstattung der Innenräume gehören jedoch bereits dem Rokoko an. Im ländlich und weniger höfisch geprägten Schleswig-Holstein ein selten anzutreffender Baustil.
Borstel leitet sich von „Bauernstelle“ ab. Einst ein Rittersitz, am Handelsweg zwischen den Hansestädten Lübeck und Hamburg, wird es 1247 erstmals urkundlich erwähnt.
Das ehemalige adlige Gut Borstel befand sich bis ins ausgehende Mittelalter im Besitz der Familie von Hummersbüttel, deren letzter Eigentümer der Anlage, Hartwich v. H., 1496 den Besitz an die von Buchwaldts vererbte. Diese blieben über 300 Jahre Eigentümer. Der Gutsbezirk umfasste im 15.Jahrhundert ca.10.000 ha. Die naheliegenden Dörfer Sülfeld, Seth, Oering, Grabau und Kayhude und ebenso die 1588 von dem Jersbeker Gut  abgeteilten Dörfer Nienwohld, Bargfeld, Elmenhorst, Mönkebrook, Rade, Stegen, Wulksfelde und Jersbek gehörten ebenfalls dazu. Der Segeberger Kalk brachte für die Gutsbesitzer reichlich Profit durch Transportzölle für die Durchquerung des Gutsgebietes auf dem Weg über die Alster nach Hamburg  ein.
Ein Brand zerstörte 1737 das ursprüngliche Herrenhaus. Es befand sich südöstlich der heutigen Anlage auf der alten in einem Teich gelegenen Burginsel. Der Nachfolgebau in der Zeit von 1743-51 wurde mit schlossartigen Ausmaßen erstellt. Es wurde vermutet, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Architekten J. C. Böhme erstellt wurde. Jedoch entspricht er der planerischen Handschrift von Johann Gottfried Rosenbergs (1709-1776) und einige Hinweise unterstreichen die Möglichkeit, dass Herrenhaus und Garten aus seiner Feder stammen.
Der damalige prunkliebende Besitzer und führende Politiker während der sogenannten „großfürstlichen Zeit“ (von 1739 -1773 im Herzogtum Holstein), Friedrich von Buchwaldt, erteilte den Auftrag zum Bau. 10 Jahre später (1761) ging Borstel durch Heirat an die Familie Bernstorff über, die sich nur gelegentlich dort aufhielten. Erwähnenswert sind die Besuche Friedrich Gottlieb Klopstocks (1724-1803) und die Einführung der Schulpflicht im Gutsbezirk Borstel durch Caritas Emilie Gräfin von Bernstorff (1733-1820).
Ein häufiger Besitzerwechsel zum Ende des 18. Jahrhunderts endete mit den Grafen Baudissin (sorbischer Uradel aus der Oberlausitz), deren Linie bis 1930 im Besitz des Gutes blieb.
Kindererholungsheim, Ausbildungsstätte des weiblichen Arbeitsdienstes während der NS-Zeit, Auffanglager für Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg, und letztendlich ab 1947 im Eigentum des Landes Schleswig-Holstein, erfuhr das Rokokojuwel eine Umnutzung zu Laborräumen mit Bibliothek für das Forschungszentrum Borstel. Dieses prägt bis heute mit seiner Bebauung der Nachkriegs-moderne das Umfeld des ehemals einzigartigen Ensembles, bestehend aus Gutshof, Herrenhaus, Garten und umgebender Kulturlandschaft. Nach einer umfangreichen Grundsanierung des Herrenhauses Anfang des 21. Jahrhunderts wurde es als Wissens-, Kultur- und Kommunikationszentrum eingeweiht. 

 

VarendorfscheKarte

Varendorfsche Karte

Park
Neben dem Herrenhaus stehen auch der weitläufige um 1800 zum Landschaftspark umgestaltete ehemalige barocke Garten und die Lindenallee, parallel zu der Landstraße 81 unter Denkmalschutz. Diese Parkallee ist mit ihren 330 Bäumen eine Rarität im Lande und bereits im Kartenmaterial von 1762 belegt. Dieses Kartenmaterial zeigt auch südwestlich der Hofinsel einen quadratischen Nutz- und Lustgarten aus dem 17. Jahrhundert, und das südwestlich gelegene „Alte Forsthaus“ wird als „Holthof bezeichnet. Der eigentliche Barockgarten entstand gleichzeitig mit dem Bau des Herrenhauses und erstreckt sich von dort Richtung Westen.
 
Der Park ist für Besucher des Klinikgeländes weitgehend zugänglich.
 
 
Baubeschreibung Herrenhaus

Herrenhaus Borstel3

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Nach 1743 begonnen, 1751 vollendet, vielleicht von J.C. Böhme. Bedeutendster Herrenhausbau der Rokokozeit im Lande. Zweigeschossiger Backsteinbreitbau mit Walmdach. Die Hofseite mit pavillionartigen polygonalen, durch gekuppelte Kolossalpilaster betonen Eckrisaliten und einer durch Formen wie Pilaster, Segmentgiebel, Rokokotür, ornamental bekröntes Fenster und vorgelegte zweiarmige Freitreppe sowie durch Sandsteinverwendung hervorgehobenen Mittelachse.
Die Gartenseite an den Enden schlicht mit Pilastern, in der Mitte jedoch mit breitem, polygonal vortretendem Risalit mit gekuppelten Pilastern, Segmentgiebel und sandsteinfarbenen Wandfeldern mit langen Fenstern, Ovalfenstern darüber und Rokoko-Ornament. Auf dem First vier Schornsteine.

borstel, herrenhaus

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Innen: Keller mit Kreuzgratgewölben auf Pfeilern. Komplizierte Raumaufteilung. In Erdgeschossmitte hofseitig die Diele mit flachen Bogenblenden an den Schmalseiten, Rokokotüren und schlichter Stuckdecke über Randkehle. Dahinter der Festsaal über länglich achteckigem Grundriss mit klassizistischer Stuckwandgliederung durch Felder mit Gehängen bzw. antikischen figürlichen Reliefs (um 1700/80), einem Kamin in Rokoko-Formen und einer Rokoko-Stuckdecke mit freier Mitte. Links neben der Diele ein kleines Kabinett mit geschnitzter Rokoko-Vertäfelung, besonders reich über den Türen.

borstel, herrenhaus

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Dazu Kamin und Spiegel. Im folgendem Raum eine schlichtere Stuckdecke mit Rocaillen in der Kehle. Hieran anschließend der ovale Ecksalon mit beschnitzten Türen, Ofennische oben mit stuckiertem Gewölbe und Rokoko-Stuckdecke mit reicher Mittelzier. In der entsprechenden Folge rechts der Diele der Raum vor dem Salon noch mit Pilastergliederung. Rechts neben dem Gartensaal ein Kabinett mit abgeschrägten Innenecken, Tür mit geschnitzter Rokoko-Supraporte und Stuckdecke mit Rocaillen in der Kehle. 

Quelle: Kunst-Topographie Schleswig-Holstein, Fotos: Peter Huck, Karte: Varendorfsche Karte

Der Denkmalschutz erstreckt sich auf das Äußere des Herrenhauses und im Innern - soweit noch vorhanden - auf die ursprüngliche Bausubstanz, Raumgliederung und die mit dem Bau fest verbundene historische Ausstattung mit architektonischem und plastischem Dekor. Im Einzelnen sind folgende Räume hervorzuheben: die Eingangshalle (insbesondere der Fußboden), links davon liegend das getäfelte Kabinett und der ovale Speiseraum mit Stuck, der klassizistische Gartensaal mit Stuck und der Gewölbekeller.