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Haus B Kreisverwaltung

Erfahrungsbericht

 
...was passiert da?


Aufgaben

Schon vor über 100 Jahren hat der Staat erkannt, dass er fürsorglich seine schützende Hand über Kulturgüter in seinem Wirkungsbereich legen muss. Dafür gab er sich ein entsprechendes Gesetz. In der Anwendung des Gesetzes hat sich seit geraumer Zeit jedoch ein Wandel vollzogen. Die Denkmalpfleger sind heute Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Die zahlreichen Leitbilder der öffentlichen Organisationen sind Ausdruck einer praktizierten Kundenorientierung.

Denkmalpflegerische Entscheidungen werden deshalb immer noch nicht auf demokratischer Ebene abgestimmt und getroffen. Schließlich gibt das Denkmalschutzgesetz klare Zielangaben für den Schutz und die Pflege von Kulturgütern vor, zu deren Umsetzung es Fachleute gibt.

Der wesentliche Aspekt besteht im Verstehen um die Sache der Denkmalpflege. Nur wenn Verständnis für die Arbeit der Denkmalpflege besteht, wird sie von der Allgemeinheit auch getragen. In zahlreichen Vorträgen, Veröffentlichungen und Führungen (auch in Schulen) wird seit Jahren von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Denkmalschutzbehörden versucht, für Verständnis zu werben. Viele Bürgerinnen und Bürger wurden erreicht, jedoch ist das Wissen um die Denkmale und deren Behandlung sehr unterschiedlich.

Örtliche Vereine und Organisationen unterstützen die Informations- und Aufklärungspolitik der Denkmalpflege.



Herausforderungen

Die Umsetzung denkmalpflegerischer Ziele trifft oft auf wirtschaftliche Interessen. Trotz engagierter Tätigkeit, leerer öffentlicher Kassen, abgestorbener Stadtsanierung und Dorferneuerung ist diese Auseinandersetzung erforderlich. Es geht um nichts weniger als um die Zukunft unserer Vergangenheit.

Das Verständnis um die Sache der Denkmalpflege ist lokal unterschiedlich. So entwickelte Lübeck in den vergangenen Jahren ein ausgesprochenes Denkmalimage, das in der Anerkennung als Weltkulturerbe seinen jetzigen Ausdruck findet. Hier ist mittlerweile ein Denkmalbewusstsein in der Bevölkerung und in der Politik vorhanden. Die historische Altstadt ist ein regelrechter Verkaufsschlager. Man arrangiert sich mit den Unzulänglichkeiten der Altstadt (Beispiel Autoverkehr).

Im ländlichen Raum finden hauptsächlich die Klassiker, unsere Gutsanlagen mit ihren historischen Gärten, große Beachtung.



Möglichkeiten

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Welche Chancen bietet uns die heutige Ausgangslage der Denkmalpflege im Kreis Segeberg? Die begrenzten Möglichkeiten fordern Flexibilität und kreatives Handeln. Es müssen neue Wege des Verstehens begangen werden.

Wesentliche Grundlage für die Konzeption einer kulturhistorischen Erschließung der Kulturdenkmale ist die Wahrung ihrer Authentizität und regionalen Spezifik durch eine denkmalgerechte und -verträgliche Nutzung. Kulturtourismus beinhaltet eine gezielte Erhaltung und Pflege des Kulturerbes unter besonderer Berücksichtigung seiner Einzigartigkeit. So nutzen beispielsweise einige Besitzer von Gutsanlagen im Kreisgebiet sowie die Städte und Gemeinden, systematisch und erfolgreich das historische Potential für ein touristisches Angebot.



Positive Beispiele

Die Gutsanlage Wensin präsentiert sich in reizvoller Lage am Wardersee für stilvolles Wohnen in ländlicher Idylle und als Location für Filmaufnahmen, Feiern und Präsentationen.

Das Herrenhaus in Borstel steht nach seiner Sanierung und Eröffnung als Kultur- und Wissenszentrum mehr und mehr im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Der Verein zur Erhaltung und Pflege des Herrenhauses Borstel steuert engagiert die Nutzung dieser kulturellen Ressource.

Leerstände und ein starker Sanierungsbedarf schreckten die wenigen Kaufinteressenten des denkmalgeschützten Gebäudes in der Lübecker Straße 10-12a, Bad Segeberg über lange Zeit ab. Die Haushaltskassen reichten bei Weitem nicht für die Finanzierung einer Sanierung aus. Eine Immobilie, die der Stadt Bad Segeberg als Eigentümerin seit vielen Jahren Sorgen bereitet hatte. Es war ein Glücksfall, dass ein Wahlstedter Unternehmer den Charme des Gebäudes zu schätzen wusste und es erwarb. Mit Hilfe der vermehrten steuerlichen Abschreibung und einem letzten geringfügigen Zuschuss aus Städtebauförderungsmitteln setzte er ein Zeichen für eine gelungene Sanierung in der Altstadt von Bad Segeberg.

Das Torhaus in Seedorf wird seit seiner umfassenden Sanierung für standesamtliche Trauungen, Sitzungen und weitere Veranstaltungen im Rittersaal und als Museum genutzt. Die Gemeinde entwickelte zusammen mit einem sanierungserfahrenen Architekturbüro und den Denkmalschützern eine denkmalverträgliche Lösung. Heute ist das Torhaus für seine standesamtlichen Trauungen bis weit über die Kreisgrenzen hinweg bekannt und beliebt.

Die touristische Nutzung kann im Einzelfall mit einer Übernutzung der kulturellen Ressource verbunden sein. Hier ist ganz individuell für jedes Kulturdenkmal die Grenze zu ziehen, um die historische Originalsubstanz nicht zu gefährden.



Erfolge

IIn den vergangenen Jahren wurden Einzelerfolge erzielt, die man als spektakuläre Highlights bezeichnen kann. Die positive Entwicklung rund um die Wassermühle in Klein Rönnau mit Rauchkate und der alten Schule nahe Bad Segeberg war anfangs nicht abzusehen. Die Denkmalschutzbehörde wurde immer wieder mit dem schleichenden Verfall und extrem hohen Preisvorstellungen des über viele Jahre nicht verkaufsbereiten Eigentümers konfrontiert. Wie auch im Fall der Fischerkate von Groß Rönnau oder dem Wasserturm von Bad Segeberg bewährte sich die Beharrlichkeit der Denkmalschützer gegenüber Planungen von potentiellen Käufern, die beabsichtigten, die Objekte bis zur Unkenntlichkeit des Gesamteindrucks und unter fast vollständigem Verlust der historischen Substanz verfremden zu wollen. Für jedes Objekt ist eine Nutzungsänderung möglich, die den Bestand erhält. Selbstverständlich hat es in den vergangenen Jahren auch zahlreiche hervorragend sanierte Privatbauten gegeben, aber leider auch Abbrüche gerade von denkmalwerter Bausubstanz,
was immer wieder einen unwiederbringlichen Verlust unserer kulturellen Identität bedeutet.



Zukunftsperspektiven

Die Zukunft bietet Chancen und Möglichkeiten! Das Vernachlässigen der Kultur in Krisenzeiten sollte ein Ende haben. Gerade deswegen darf es in der Denkmalpflege kein Ausruhen geben. Einige „Juwele" warten noch auf ihre Entdeckung und das Engagement von Menschen, die erkennen, dass Denkmalpflege nicht nur eine in Geistes- und Naturwissenschaft interdisziplinär fundierte Disziplin ist, sondern uns allen die Chance bietet, uns an den Zeugnissen der Vergangenheit mit ihrer Vielfalt zu erfreuen. Man könnte auch sagen, dass die alten Baumeister, Architekten und großen Gärtner ihrer Zeit ein „Ambiente" geschaffen haben, das heute, trotz enormer technischer Möglichkeiten, immer wieder versucht wird zu kopieren.
Dieses von der Bevölkerung breit gestützte öffentliche Interesse an historischer Identität wird durch gesetzliche Regelungen im staatlichen Vollzug verankert. Unsere Kultur zeichnet sich dadurch aus, wie sie sich gegenüber den materiellen Zeugnissen der Vergangenheit verhält.

Die Denkmalpfleger sehen ihre wesentliche Aufgabe in der Vermittlung des Verständnisses für Kulturdenkmale und dem daraus resultierenden denkmalgerechten Umgang mit der historischen Substanz.

Mit dem europaweit jährlichen Tag des offenen Denkmals hat die Öffentlichkeit inhaltlichen und räumlichen Zugang zum kulturellen Erbe, wird über seine Bedeutung informiert und oft für seine authentische Erhaltung sensibilisiert. Das Interesse für die Belange der Denkmalpflege wird dadurch geweckt.

Das angestrebte Ziel, den Tourismus zu fördern und hierfür das Potenzial an Kulturdenkmalen im Kreisgebiet einzusetzen, ist erreichbar, wenn auch finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Auch in Zeiten knapper Kreis- und Landeskassen sieht die Denkmalschutzbehörde ihre Aufgabe in der finanziellen Unterstützung der Eigentümer. Stehen der Denkmalschutzbehörde keine eigenen Mittel mehr zur Verfügung, hilft sie bei der Suche nach weiteren öffentlichen Geldern, zum Beispiel Förderungen durch das Land oder dem Denkmalfonds oder aus weiteren Stiftungen. Im Wesentlichen gehören Schutz und Pflege des Kulturgutes zum gesetzlichen Auftrag der Denkmalpflege, nicht ihre „Vermarktung". Dennoch sehen Denkmalpfleger hierin eine wichtige Aufgabe, damit Denkmalpflege irgendwann wieder „Konjunktur" hat.