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Was ist passiert?

Am 13.06.12 wurde in Bad Segeberg ein Kleinkind, eingesperrt in einem Kellerraum, von der Polizei aufgefunden. Das Foto von dem kargen, schmutzigen Raum wurde bundesweit veröffentlicht und sorgte für große Empörung. In deren Folge sah sich das Jugendamt des Kreises einer starken Kritik ausgesetzt – ohne dass den Kritikern ausreichende Fallkenntnisse zur Verfügung standen.

Zur sachlichen Aufklärung der Geschehnisse und des fachlichen Handelns wurde vom Kreis der unabhängige, externe Sachverständige, Herr Prof. Dr. Reinhart Wolff, mit einer gutachterlichen Stellungnahme beauftragt.

Zu welchen Ergebnissen kommt das Gutachten?

Im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung von Hauptausschuss und Jugendhilfeausschuss des Kreises hat der Gutachter am 18.10.2012 sein Fazit vorgestellt:

„Die geltenden Fachstandards und eingeführten Verfahren sind im vorliegenden Fall beachtet worden; es gab keine Verstöße und keine fachlichen Fehler, die den beteiligen Fachkräften persönlich zugerechnet werden können.

Die Fachleute trafen aus verschiedenen Perspektiven mit situationell begründeten Logiken ihre Entscheidungen. Dabei ergab sich allerdings eine nicht kontrollierbare Übertragungsdynamik, die eine konsensuale Handlungspraxis immer wieder gefährdete.

In der Verschränkung der familialen Konfliktmuster und der Entscheidungsrationalität und Handlungsmuster der fallbeteiligten Professionssysteme kommt es nämlich im Laufe des mehr als sechsjährigen Fallprozesses zu einer intersystemischen Übertragung des im Familiensystem angelegten Störungsmusters hochgradiger Ambivalenz zwischen objektivem Hilfebedarf und angstvoller Hilfeabwehr, die dazu führt, dass die Herstellung eines Arbeitsbündnisses zur Unterstützung der Eltern und Kinder im Interesse der Kindeswohlsicherung nicht gelingt.

Dieses Schwanken im interorganisationalen Gesamtsystem (auch die beteiligten Gerichte tragen dazu bei) führt dazu, dass die Fachleute im Hilfesystem im Endergebnis nicht in der Lage sind, mit der Familie und im Zusammenwirken der Professionellen ihre Kinderschutzaufgaben - in gemeinsamer Verantwortung, aber mit unterschiedlichen Rollen – erfolgreich wahrzunehmen.

Fachlich methodisch sind stark symptom-orientierte Ansätze genutzt worden, unter Vernachlässigung systemischer, multiperspektivischer Orientierungen, was aber auch in der heutigen Kinderschutzpraxis gängige Praxis ist.

Die Arbeitsbelastung insbesondere im Sozialpädagogischen Dienst des Ju-gendamtes und bei den Freien Trägern ist erheblich und es kommt immer wieder zu personellen Engpässen, mit der Folge von Vertretungen, wodurch es schwer ist, die Kontinuität in der Fallbearbeitung aufrecht zu erhalten, wobei es auch zu Frustrationen auf der Seite der Hilfeteilnehmer kommt.

Die beobachteten Schwachstellen sind aber nicht als Faktoren einzuschätzen, die unmittelbar kausal mit der Konfliktzuspitzung der Einschließung des Sohnes der Familie im Juni 2012 in einen Zusammenhang gebracht werden können.“


Welche Konsequenzen ziehen wir aus diesem Fall?

Der Kreis Segeberg und sein Jugendamt fühlen sich durch die sachliche Aufarbeitung von den vehementen Vorverurteilungen der letzten Tage entlastet und bestätigt. Denn der Kreis Segeberg hatte an keiner Stelle etwas zu verbergen, sondern stets Persönlichkeitsrechte und Sozialgeheimnisse zu schützen.

Gleichzeitig liegt harte Arbeit vor uns. Denn das Gutachten ist als weitere Aufforderung zu betrachten, den bereits eingeschlagenen Weg zur Optimierung der regionalen Kinder- und Jugendhilfe konsequent weiter zu verfolgen. In Zusammenarbeit mit dem Jugendhilfeausschuss und dem Kreistag wird ein intensives Fortbildungs- und Entwicklungsprogramm zur Stärkung der Fachkräfte entwickelt. Die Sozialraumorientierung der Kinder- und Jugendhilfe wird weiter forciert. Es wird ein Fall-Labor mit allen Beteiligten und Betroffenen im Segeberger Kinderschutzfall initiiert.

Und über den Fall hinaus ist für alle professionellen Akteure im Kinderschutz (z.B. Gutachter, Ärzte, Familiengerichte, Jugendämter, Schulen und Kindergärten) die Notwendigkeit festgestellt worden, dass optimierte Wege für eine fachliche und konsequente Zusammenarbeit zu finden sind.