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08.11.2018

Zentralisierte Schuleingangsuntersuchungen: Alle 2.500 Abc-Schützen im Kreis konnten untersucht werden

Kreis Segeberg. 2.500 Abc-Schützen sind in diesem Sommer im Kreis Segeberg in ihr erstes Schuljahr gestartet. Rekord – und zwar nicht nur allein auf die Zahl bezogen, sondern auch mit Blick darauf, dass alle Mädchen und Jungen vor Schulbeginn wie gesetzlich vorgeschrieben auf ihre Schulreife untersucht werden konnten. „Das war Anfang des Jahres wegen Personallücken noch äußerst fraglich“, sagt Dr. Boris Friege, Leiter des Fachdienstes Gesundheit. In anderen Kreisen und kreisfreien Städten sei dies leider nicht überall vollständig leistbar gewesen, zuletzt sei aus Lübeck darüber berichtet worden. Neu ist, dass im Kreis Segeberg seit dem Frühjahr die Schuleingangsuntersuchungen zunehmend zentral, also in eigenen Untersuchungsstellen, durchgeführt worden sind. Diese veränderte Situation führte im Vorfeld bei manchen Eltern zu Irritationen und Fragen. Friege zieht nun ein erstes Fazit.

„Der Fachkräftemangel macht auch vor uns nicht Halt, so dass sich Segeberg im Januar als wohl letzter Flächenkreis in Schleswig-Holstein schließlich auch gezwungen sah, die zuvor wohnortnahen, oft in Schulen durchgeführten medizinischen Untersuchungen ins Gesundheitsamt nach Bad Segeberg zu verlegen“, so Friege. Norderstedter und Ellerauer Kinder werden in der kleinen Untersuchungsstelle Norderstedt untersucht. Diese Zentralisierung spare Fahrzeit, also „ärztliche Arbeit am Lenkrad“ ein. Die Arbeitszeit könne nun direkt für die eigentliche Aufgabe verwendet werden - die schulärztliche Untersuchung. Dabei prüfen die Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes unter anderem Fähigkeiten wie Sehen, Hören, Koordination, Grob- und Feinmotorik, Sprechen und Sprachverständnis. Außerdem checken sie den Impfstatus der Kinder.

Fahrgemeinschaften gebildet

Für die Assistenzkräfte und Ärztinnen bedeutete die Zentralisierung eine kurzfristige und erhebliche Umstellung ihrer langjährig geübten Arbeitsorganisation. „Und viele Erziehungsberechtigte hatten nun eine längere Anreise, wobei die meisten Eltern aber doch großes Verständnis für die Situation zeigten“, erläutert Friege. „Oftmals bildeten sich Fahrgemeinschaften, weil sich viele Eltern über die Kindergärten ihrer Kinder kannten. Zudem halfen unsere medizinischen Assistenzkräfte stets mit viel Geduld dabei, bei Bedarf neue Termine und Lösungen für jeden Einzelnen zu finden.“

Friege bedauert die unerfreuliche Umstellung auf eine längeren Anfahrt und dass diese einmalige Pflichtuntersuchung für manche Kinder nun nicht mehr so wohnortnah stattfinde wie vielleicht für das ältere Geschwisterkind davor. „Aber viel schlimmer wäre es, wenn ich Eltern erklären müsste, dass ihr Kind überhaupt nicht auf Schulreife untersucht werden kann. Und deswegen müssen wir alle zumutbaren Möglichkeiten prüfen und ausschöpfen, um diesen Fall bei uns abzuwenden.“

Regelmäßig erreichen Friege Fragen und Vorschläge zum weiteren Vorgehen, teils von betroffenen Eltern, teils aus der Politik: Ob diese Aufgabe nicht auf niedergelassene Kinderärzte übertragen werden könnte beispielsweise. „Grundsätzlich denkbar“, sagt der Fachdienstleiter, aber bei 2.500 Kindern pro Jahr und wegen eines standardisierten Ablaufs sei diese Variante kaum praktikabel und nur mit viel Aufwand durchführbar. Außerdem würde damit die kinderärztliche Versorgung geschmälert – „und das, wo im ländlichen Raum über jede neu eröffnete Kinderarztpraxis gejubelt wird“.

"Qualität des Hörtests deutlich verbessert"

In den eigenen Untersuchungsräumen in Bad Segeberg und Norderstedt gibt es weder Pausenlärm noch Schulglocke, was unter anderem die Qualität des Hörtests deutlich verbessert habe. Auch das ärztliche Untersuchungsgespräch laufe nun viel ruhiger ab, sagt Dr. Gabriele Zenkl, diensterfahrenste Ärztin im Kinder-jugendmedizinischen Dienst des Kreises Segeberg. „Wenn Besonderheiten vorliegen, können wir diese nun vor dem Start ins Schulleben noch besser erkennen und sie der Schule rechtzeitig mitteilen.“

Die im Januar von Friege kalkulierte Rechnung ging somit auf, wenn auch nur knapp: Aber alle Segeberger Abc-Schützen wurden vor Schulbeginn ärztlich auf ihre Schulreife untersucht. Nur verwaltungstechnisch sei das vergangene Schuljahr noch nicht ganz abgeschlossen und noch Dateneingaben für die Landesberichterstattung zu leisten. „Doch spätestens bis Weihnachten ist auch das Thema durch.“ Der Kinder-jugendmedizinische Dienst schaut nun nach vorn, denn die ersten Schulanfänger des Schuljahres 2019/2020 werden bereits untersucht. „Wir haben im Kinder-jugendmedizinischen Dienst Segeberg ein freundliches und sehr engagiertes Team und würden uns über weitere Verstärkung im ärztlichen und Assistenzbereich sehr freuen“, sagt Zenkl.

Fachdienstleiter Dr. Boris Friege mit drei seiner Medizinischen Fachangestellten in einem der Untersuchungsräume in der Kreisverwaltung in Bad Segeberg (weiter von links:) Alexandra Baumann, Birgit Hansen und Jessica Harck.

Sabrina Müller
© Kreis Segeberg
Dr. Gabriele Zenkl, Ärztin im Kinder-jugendmedizinischen Dienst des Kreises Segeberg.

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