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Erster Abend der Begegnung

Tanzende Voltigiererinnen trafen auf zaubernden Bankdirektor; der Mischbar-Chor aus Segeberg sang auf Deutsch und Persisch; die Jembe-Gruppe von Evelyn Wabnitz trommelte afrikanisches Lebensgefühl in den Kreistagssitzungssaal nach Bad Segeberg und das Keller-Kabarett demonstrierte mit einem ironischen Selbstversuch, dass ein 57-Jähriger durchaus noch mit freiem Oberkörper vor seine Fans treten kann.

Nicht zuletzt regte Ehrengast Kirsten Bruhn, Schwimmerin und mehrfache Paralympics-Siegerin, mit Erzählungen aus ihrem bewegten Leben zum Nachdenken an und rührte manchen Zuhörer sogar zu Tränen. Der erste „Abend der Begegnung“ des Kreises Segeberg fand im Rahmen des bundesweiten „Diversity-Tags“, dem „Tag der Vielfalt“ statt, der jährlich am 5. Juni begangen wird.

Der wiederkehrende Aktionstag, der Organisationen dazu aufruft, sich für Vielfalt einzusetzen und Bewusstsein in der Gesellschaft dafür zu schaffen, verdeutlichte in Bad Segeberg, was Inklusion bedeutet und dass „kein Mensch in eine Schublade passt“, wie Thorsten Luckow vom „Büro für Chancengleichheit und Vielfalt“ des Kreises sagte. „Wir wollten mit der Veranstaltung aufzeigen, dass Inklusion mehr umfasst als das, was oft zu einseitig darunter verstanden wird. Als soziologischer Begriff beschreibt das Konzept der Inklusion eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigem“, so Luckow.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Team Jutta Altenhöner (Beauftragte für Menschen mit Behinderung beim Kreis Segeberg), ihrer Assistentin Martina Schmidt sowie von Thorsten Luckow (Leiter des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt) und seiner Assistentin Silke Stehnck „Wir haben hervorragend zusammengearbeitet und uns ergänzt“, so das Team.

Die Idee für einen solchen Abend war vor rund einem Jahr entstanden. Das Team machte sich Gedanken, wie eine Veranstaltung mit dem Thema Inklusion aussehen könnte. „Uns war schnell klar, dass wir über Inklusion nicht einfach nur sprechen, sondern sie sichtbar machen wollten“, so Altenhöner. Ziel war ein „hochwertiger Rahmen, um dem Ganzen noch mehr Aufmerksamkeit zu verleihen“. Alle Akteure, die gefragt wurden, ob sie mitmachen, haben sofort zugesagt. „Und so ist dieser Abend mit viel Herzblut und Kreativität Stück für Stück endstanden.“ Ein „Riesendank“ gilt den Akteuren, die den Abend durch ihre Vielfalt „so besonders und einzigartig gemacht haben“.

Da war zum Beispiel die Tanzgruppe, die eigentlich ein Voltigierverein ist. Sie hatte sich monatelang auf ihren Auftritt vorbereitet, denn normalerweise tritt sie nur bei Geburtstagsfeiern im eigenen Familienkreis auf. Und dem Chor gelang es, dass das Publikum mitsang. Nicht zuletzt war da das Keller-Kabarett, das die Zuschauer so mitgenommen hat, dass niemand in seinem Stuhl still sitzen geblieben ist.

Als „Sportlerin der Superlative“ kündigte Altenhöner schließlich Rednerin Kirsten Bruhn dem Publikum an – und dieses klebte ab der ersten Silbe an den Lippen der gebürtigen Eutinerin. Es war ein Motorradunfall auf der griechischen Insel Kos, der das Leben der heute 48-jährigen Kirsten Bruhn vor mittlerweile 21 Jahren für immer verändern sollte. Inkomplette Querschnittlähmung – so die damalige Diagnose, die einen Rollstuhl seither zu ihrem täglichen Begleiter macht.

„Damals dachte ich, ich bin ein Mensch zweiter Wahl“, erzählte die Sportlerin, die seit ihrem dritten Lebensjahr schwimmt und mit zehn in den Leistungssport einstieg. „Über den Sport habe ich gelernt, über Grenzen zu gehen. Er gab und gibt mir Stabilität“ und letztlich habe er sie damals geschützt und nach dem Unfall darin bestärkt, weiterzumachen, Ziele zu haben und zu kämpfen. Heute ist sie als Botschafterin für Prävention und Rehabilitation unterwegs, geht an Schulen, spricht vor Managern und plädiert für Kommunikation, Empathie, Sensibilität, Vorsicht, Rücksicht und Nachsicht. „Ich weiß auch nicht zu 100 Prozent, was Inklusion bedeutet. Aber bei allem, was ich tue, bin ich authentisch.“

Kirsten Bruhn holte unter anderem paralympisches Gold in den Jahren 2004, 2008 und 2012 (elf paralympische Medaillen insgesamt), sie ist 65-fache deutsche Meisterin, sechsfache Weltmeisterin, achtfache Europameisterin und stellte 54 Welt- und 64 Europarekorde auf.

„Frau Bruhn hat uns verdeutlicht, was es heißt, Inklusion zu leben und dass jeder Mensch in seiner Form davon betroffen ist“, sagten Altenhöner und Luckow im Anschluss. „Sie ist eine großartige Frau, die die Menschen auf charmante Art und Weise mit ihren Erzählungen fesselt.“

„Kreistag und Kreisverwaltung griffen den Gedanken der Inklusion bereits im Jahr 2014 das erste Mal auf. Wir waren die erste Kommune im Land, die damals die ‚Charta der Vielfalt‘ unterzeichnet hat“, sagte Landrat Jan Peter Schröder beim „Abend der Begegnung“. Aus seiner Sicht ist es wichtig, den eingeschlagenen Weg auch zu leben. „Beim Kreis sind derzeit 840 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Rund sieben Prozent davon, das entspricht knapp 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, haben eine Behinderung“, so Schröder. „Das ist ein Anfang, aber wo möglich, wollen wir noch besser werden.“ Die Einrichtung des „Büros für Chancengleichheit und Vielfalt“ sowie die Gründung des Forums für Migrantinnen und Migranten seien nur zwei Beispiele die zeigten, dass der Kreis bereits einiges angestoßen habe. „Und ich habe das Bedürfnis, daran anzuknüpfen und weiterzumachen“, so Schröder.