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18.04.2019

Kino-Pferdeabenteuer „Ostwind – Aris Ankunft“ im Realitätscheck des Jugendamtes

Kreis Segeberg. Derzeit läuft in den Kinos das Kinder-Pferdeabenteuer „Ostwind – Aris Ankunft“. Im Mittelpunkt steht die Rettung eines Reiterhofes, der in fremde Hände zu fallen droht. In einer Nebenhandlung macht Hauptdarstellerin Fanny ein Praktikum beim Jugendamt. Dort begleitet sie eine Sozialarbeiterin zu dem kratzbürstigen Mädchen Ari. Ari ist, so will es die Geschichte, gerade zum zehnten Mal von einer Pflegefamilie abgegeben worden und soll nun in einem Heim untergebracht werden. Da kann Fanny nicht tatenlos zusehen und bringt Ari kurzerhand auf den Reiterhof, auf dem sie Freundschaft, Familie und Zusammenhalt erlebt. Im Interview erläutert Ulrike Görner, Leiterin des Pflegekinderdienstes beim Jugendamt des Kreises Segeberg, wie viel Wahrheit in dem Film steckt.

Pflegekinderdienst-Leiterin Ulrike Görner

© Kreis Segeberg

Warum kommen Kinder wie Ari in eine Pflegefamilie?

Leider erfährt man in dem Film nichts über die genauen Hintergründe, warum Ari nicht mehr bei ihren Eltern wohnen kann. Klar ist nur, dass sie schnell zuschlägt. Ursachen können Überforderung sein, schwere Erkrankung, Drogenabhängigkeit, der Tod eines Elternteils, aber auch eine psychische Erkrankung der Eltern oder eine Inhaftierung eines Elternteils. Der Umzug in eine Pflegefamilie kommt dann in Frage, wenn die leiblichen Eltern ihr Kind nicht mehr selbst erziehen und versorgen können, oder wenn es vernachlässigt, misshandelt oder missbraucht wird.

Könnte man Ari auch anders helfen, zum Beispiel mit einem Anti-Aggressionstraining?

Bevor ein Kind von seiner Familie getrennt wird, sollte unbedingt nach einer anderen Lösung für die Schwierigkeiten gesucht werden. Das kann durchaus auch ein Anti-Aggressionstraining sein oder aber eine andere Hilfe, die die Familie in ihrem Lebenskontext unterstützt. Wichtig sind uns Hausbesuche, durch die wir das Umfeld der Kinder genauer kennenlernen können. Hier wird gemeinsam mit den Eltern nach einer Lösung gesucht und es werden Hilfen eingeleitet, zum Beispiel eine sozialpädagogische Familienhilfe oder eine Erziehungsbeistandschaft für das Kind. Erst wenn diese Hilfen nicht mehr ausreichen, kann eine Trennung des Kindes von seinen Eltern notwendig werden.

Nach welchen Kriterien sucht das Jugendamt eine Pflegefamilie aus?

Interessierte Pflegeeltern melden sich bei uns. Wir bieten monatliche Informationsveranstaltungen an, um sich vorab einen Eindruck zu verschaffen, was es bedeutet, ein Pflegekind aufzunehmen. In einem langen Überprüfungsverfahren gibt es viele Gespräche und ein Bewerbertraining. So lernt das Jugendamt die Familie genauer kennen und prüft, ob diese geeignet ist, ein Pflegekind aufzunehmen. Ebenso hat die Familie in dieser Zeit Gelegenheit, genau zu überlegen, ob die Aufnahme eines Pflegekindes wirklich für sie passend ist. Entscheidend ist letztlich immer, wie gut Pflegekind und Pflegefamilie zusammen passen.

Können sich Kinder beschweren, wenn Pflegeeltern oder -geschwister sie schlecht behandeln?

Das Jugendamt betreut und begleitet natürlich auch die Pflegekinder. In regelmäßigen Einzelgesprächen können sich diese über Schwierigkeiten in der Pflegefamilie äußern. Dann suchen wir gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten. Darüber hinaus haben die Kinder und Jugendlichen jederzeit die Möglichkeit, sich bei Problemen an die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes zu wenden oder sich bei ihr zu beschweren.

 

Was passiert, wenn Kinder von einer Pflegefamilie weglaufen?

Laufen Pflegekinder aus ihrer Pflegefamilie weg, müssen die Pflegeeltern eine Vermisstenanzeige aufgeben. Aufgrund der Pubertät und der schwierigen Lebenssituation kommt das häufiger bei Jugendlichen als bei Kindern vor. Ist das Pflegekind wieder da, wird in einem Gespräch mit Pflegekind, Pflegeeltern und Jugendamt gemeinsam entschieden, wie es weitergeht.

 

Wie lange bleiben Pflegekinder in der Regel in einer Pflegefamilie?

Das ist sehr verschieden. Ein Kind kann für kurze oder auch für eine lange Zeit in einer Pflegefamilie leben. Das hängt davon ab, ob und wie die Schwierigkeiten in der Herkunftsfamilie gelöst werden können. Ziel ist es grundsätzlich, den Kindern ein Aufwachsen bei den leiblichen Eltern zu ermöglichen. Auch der Kontakt zu ihnen soll – soweit möglich – immer bestehen bleiben.

Könnten Kinder und Jugendliche tatsächlich auf einem Reiterhof wohnen?

Ja natürlich, wenn die Familie als Pflegefamilie überprüft wurde. Wir haben in unserem Jugendamtsbereich auch Familien mit verschiedenen Tieren. Diese helfen den Kindern dabei, wieder Beziehungen aufzubauen und zu vertrauen.

 

 Zahlen und Fakten:

  • Derzeit gibt es im Kreis Segeberg 148 Pflegefamilien und 211 Pflegekinder, was  bedeutet, dass in manchen Pflegestellen mehrere Pflegekinder leben.
  • 273 Kinder aus dem Kreis Segeberg leben in Heimeinrichtungen (Stand: 11. April 2019). Diese befinden sich sowohl im Kreisgebiet als auch über die Kreisgrenzen hinaus.